In den letzten Monaten wurde in den Rollenspiel-Blogs und -Foren vermehrt über die Eigenschaften eines guten Rollenspielers geschrieben. Häufig ging es dabei auch darum, ob und wie sich Rollenspieler auf das Rollenspiel vorbereiten. Ich habe hier im Rollenspiel-Blog vor einiger Zeit auch schon zur Vorbereitung  der Spieler auf die nächste Rollenspielsitzung aufgerufen.

Eine Wertung darüber, wann ein Rollenspieler ein guter Spieler ist, lässt sich jedoch keineswegs an die Bereitschaft zur Vorbereitung auf das Spiel knüpfen. Es sollte überhaupt vermieden werden, die Güte von Rollenspielern zu bewerten, denn dass Gelingen eines Spielabends hängt von vielen Faktoren ab und jeder Beteiligte bringt seine Stärken mit ein.

Nach einem interessanten Gespräch zu diesem Thema am vergangenen Wochenende bin ich der Überzeugung, dass der Kern der Frage weniger die Qualität als vielmehr die Einstellung der einzelnen Rollenspieler einer Spielgruppe betrifft.

Die zentrale Frage an die Spieler ist:

Möchte ich das Rollenspiel als Hobby oder als Zeitvertreib betreiben?

Wähle ich das Rollenspiel als Hobby, dann beschäftige ich mich mit dem Rollenspiel. Auch außerhalb der Spielsitzungen lese ich Regelwerke und Rollenspielliteratur, beschäftige mich mit Regelmechanismen oder plane die weitere Entwicklung meines Charakters oder des Abenteuers. Erkläre ich mich bereit, die Spielleitung im Rollenspiel zu übernehmen, so mache ich das Rollenspiel zu meinem Hobby.

Ist das Rollenspiel für mich ein Zeitvertreib, so beschäftige ich mich nicht außerhalb der Rollenspielsitzungen mit dem Spiel. Ich besuche die Spielsitzung ähnlich wie einen Kinofilm, ein Konzert, ein Fußballspiel oder ein Brettspieleabend. Mir geht es ausschließlich um die Unterhaltung während der Spielzeit. Ich bin Gelegenheitsspieler und Konsument. Vor- oder Nachbereitung des Rollenspiels vermeide ich.

Natürlich gibt es zwischen dem Hobbyisten und dem Gelegenheitsspieler auch Abstufungen. Man kann uns Rollenspieler ohnehin nicht grundsätzlich in eine Schublade einordnen. Es kommt auch durchaus vor, dass der gleiche Rollenspieler das eine Rollenspiel als Hobby betreibt und ein anderes Rollenspiel zum reinen Zeitvertreib.

In einer Spielgruppe sollte man sich darüber abstimmen, wie intensiv man das gemeinsame Rollenspiel betreiben möchte, denn die Art des Rollenspiels als Zeitvertreib ist eine ganz andere als beim Rollenspiel als Hobby.

Rollenspiel als Hobby zeichnet sich aus durch:

  • lange Abenteuer oder Kampagnen über mehrere Spielabende
  • Entwicklungsmöglichkeiten für die Charaktere
  • Hintergrundgeschichten und Meta-Plots
  • intensive Vorbereitung der Teilnehmer (insbesondere der Spielleitung)
  • gleichbleibende Gruppenbesetzung
  • regelmäßige Spieltermine
  • Verwendung vorbereiteter Handouts

Rollenspiel als Zeitvertreib bedeutet:

  • kurze Abenteuer oder Oneshots
  • einfache Spielregeln
  • Charaktere mit wenig Hintergrund oder vorgefertigte Charaktere
  • geringer Vorbereitungsaufwand und kurze Vorbereitungszeit für die Spielleitung
  • mögliche Fluktuation in der Spielgruppe
  • unregelmäßige Spielsitzungen
  • spontanes Spiel und Improvisation

Gehen die Erwartungen von Spielern und Spielleitung auseinander, so kann dies zu Frust und Konflikten führen. Häufig beklagen sich Hobbyisten (zu denen fast immer die Spielleitung gehört) über mangelhafte Vorbereitung und Engagement der Gelegenheitsspieler. Damit sich alle Spieler der Runde und die Spielleitung auf eine Spielintensität einrichten können, sollte man sich in der Gruppe klar werden, was man möchte.

Folgende Fragen können dabei hilfreich sein:

  • Bin ich bereit, meinem Charakter eine Hintergrundgeschichte zu geben?
  • Möchte ich meinen Charakter über eine längere Zeit führen und ihn weiterentwickeln?
  • Bin ich bereit, mich auf die Spielrunden vorzubereiten (Regelkenntnis, Kenntnis der letzten Ereignisse und der Eigenschaften meines Charakters)?
  • Werde ich auch über mehrere Spielsitzungen pünktlich und zuverlässig beim Rollenspiel erscheinen können?
  • Kann ich mir vorstellen, mich an der Organisation der Spielsitzungen aktiv zu beteiligen (Gastgeber, Terminfindung)?
  • Bringe ich die Bereitschaft mit, die Ereignisse des Spiels für zukünftige Spielsitzungen zu protokollieren (Tagebuch, Spielbericht)?
  • Kann ich mir auch vorstellen, die Aufgabe der Spielleitung zu übernehmen?

Wie geht ihr mit unterschiedlichen Erwartungen zwischen Hobbyisten und Gelegenheitsspielern in euren Rollenspielgruppen um?

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