Ich berichtete hier bereits, dass ich mich demnächst nach fünf Jahren Pause wieder mit meiner Einstiegsrollenspielgruppe zu einem Spielchen treffen werde.

Eine Umfrage in der Spielergruppe hat ergeben, dass die Fortsetzung des alten Abenteuers nicht pratikabel und erwünscht ist. So spielen wir nun also eine andere Geschichte mit neuen Charakteren in einer anderen Spielwelt.

Die Motivation einiger Spieler ist groß und wir haben uns ein Stück weit gegenseitig angestachelt bei der Vorbereitung unserer Charaktere. Gestern entstand nun für meinen Charakter eine kleine Hintergrundgeschichte, die auch das Zusammentreffen mit einem Gefährten beinhaltet:

Vor nunmehr 19 Jahren erblickte ich das Glühen der Himmel auf der großen Himmelsinsel Reichlich. Meine Eltern waren mit ihrem Himmelsschiff dort, um Waren zu tauschen. Meine Elten waren eigentlich immer mit ihrem Schiff unterwegs und brachten Waren und Informationen zwischen den Inseln der Himmel hin und her. So lernte ich schon in der frühen Kindheit die Grundlagen der Himmels-“Seefahrt“.

Schon sehr früh entwickelte ich wohl ein großes Interesse an allem, was sich auf unserem Himmelsschiff so tat. Das Leben als Schiffsjunge in den Himmeln war alles andere als behütet. Ich musste zusammen mit meinen Eltern und der Schiffsbesatzung so manche Gefahr durchstehen. Einmal verloren wir im Kampf gegen Himmelspiraten vier Besatzungsmitglieder und mein Vater wurde schwer verletzt. Ich konnte mich vor den Angreifern verbergen und es gelang mir sogar ein überraschender Angriff auf einen der Piraten. Erstmals hatte ich damals das Gefühl, meinen Beitrag zur sicheren Überfahrt zu leisten. Vorher lernte ich eher spielerisch gegen Besatzungsmitglieder zu kämpfen, mich auf dem überschaubaren Schiff zu verstecken oder die Masten hinaufzuklettern. Man kann sagen, dass mir die Kletterei in der Takelage des Schiffes beachtliche akrobatische Fähigkeiten verlieh. Ich machte mich natürlich auch nützlich an Bord. So führte ich auch geschickt kleinere Reparaturen am Schiff aus. Von meiner Mutter lernte ich einiges über die Versorgung von Krankheiten und Verletzungen, so dass ich auf diesem Gebiet auch bald eine kleine Hilfe war. Ja, man kann sagen, das Schiff war meine Kinderstube und meine Schule zugleich, da meine Eltern es strikt ablehnten, dauerhaft an einem Ort zu bleiben.

Im Alter von 14 Jahren fühlte ich mich auf dem Schiff meiner Eltern schließlich so eingeengt, dass ich es verließ. Zwar entdeckte ich immer wieder interessante Dinge auf unseren Reisen und es kam regelmäßig zu gefährlichen Situationen bei Stürmen oder bei Überfällen, doch der Warentausch zwischen immer den gleichen Häfen wurde mir schließlich zu langweilig. So einigte ich mich mit meinen Eltern darauf, dass ich einige Zeit bei meiner Tante bleiben würde, die mit ihrer Tochter auf der Waldhügelinsel zwischen Reichlich und Herzland lebt. Dort lernte ich das „gewöhnliche“ Leben in einem kleinen Ort kennen und ich durchstreifte die Wälder der Insel, die sich über einen gleichmäßig gewölbten Hügel ziehen.

Auf einem meiner Streifzüge durch den Wald hörte ich plötzlich Rufe jenseits des Hügels. Ich folgte den Geräuschen und schlich mich an. Was ich dort sah überraschte mich: Einige bewaffnete Elfen befanden sich im Kampf gegen einen Wildling und einen Ihresgleichen. Ich hatte schon häufiger davon gehört, dass Elfen Jagd auf entflohene Wildlinge machten, doch was ging hier vor sich? Der Wildling, der mich an einen Hasen erinnerte, war bereits verletzt und der Elf, dessen braune Haut mit Dornen durchsetzt ist, kämpfte um sein Leben. Doch die übrigen Elfen waren in der Überzahl. Es blieb keine Zeit zum Überlegen. Ich schlich mich unbemerkt an, nahm meine Schleuder und schleuderte damit einige Steine gezielt auf die in Überzahl kämpfenden Elfen. Den Überraschungsmoment nutzte der Dornenelf für seine Flucht. Ein verzeifelter Blick lag auf seinem Gesicht als er sich im Unterholz in Sicherheit brachte und den Wildling zurück lassen musste.
Ich blieb in Deckung und stellte meinen Beschuss ein, um nicht von den übrigen Elfen entdeckt zu werden. Vorsichtig schlich ich in die Richtung, in die sich der flüchtende Elf zurückgezogen hatte. Ich traf ihn auf einer kleinen Lichtung an. Offenbar war er unschlüssig, was zu tun sein. Meine Neugier ließ mich für einen Moment jede Vorischt vergessen und ich trat einfach auf die Lichtung, um die Dornenhaut nach den Ereignissen zu befragen. Er berichtete kurz, dass er plante, den Wildling aus der Gefangenschaft zu retten und ich zögerte nicht, ihm dabei zur Seite zu stehen. So folgten wir der Elfengruppe und wagten am späten Abend einen Befreiungsversuch. Doch wir waren zu spät: Als wir uns an das Nachtlager anschlichen, hatten die Efen dem armen Wildling bereits die Haut abgezogen.
Die Traurigkeit und der Zorn des dornhäutigen Elfen über die Tat seiner Blutverwandten faszinierten mich. Warum war er so anderes als die übrigen Vertreter seines Volkes. Ich versuchte sein Vertrauen zu gewinnen und wollte wissen, was ihn bewegte. Zunächst war er jedoch recht verschlossen: Nicht einmal seinen Namen wollte er mir nennen. Ich nenne ihn nun Talahier Dornhaut. (Tala heißt der Teil des Waldes, in dem wir uns trafen)

So schloss ich mich Talahier an und wir reisen gemeinsam durch die Welt. Als ausgebildeter Himmelsmatrose fällt es mir nicht schwer immer wieder Anstellung auf Schiffen in alle Teile der Welt zu finden Talahier ist immer dabei.

Ich bin gespannt auf unsere Abenteuer in einer uns Spielern bisher unbekannten Spielwelt.

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